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Anthologien

& RADIESCHEN, WIEN, 2010
 

„Bei Inventur emotionaler Schwund“ lauten die beiden Schlusszeilen des Gedichtes „Besprechung“, und Inventur ist es tatsächlich, was Martin Dragosits in seinem zweiten Gedichtband „Der Himmel hat sich verspätet“ macht. Eine Inventur mit großer Themenvielfalt, eine Inventur, die sich gleichermaßen über den Makrokosmos der ganzen, großen, globalisierten Welt wie über den Mikrokosmos und die ganze Bandbreite menschlichen Gefühlslebens erstreckt.

Und die Sprache ist nüchtern, kühl und klar, aber noch viel mehr: Martin Dragosits spielt mit Phrasen und Stehsätzen, wie wir sie aus Pressemitteilungen über die Politik, die Börse, die Kultur oder den Sport kennen. Gerade an dieser Haltung der modernen Informationsgesellschaft, die meint, nichts mehr sagen zu müssen, weil eh schon jeder weiß, was gemeint ist, setzt Martin Dragosits an und macht gerade mittels seiner – scheinbar – emotionslosen Zustandsbeschreibungen die dahinter steckenden zutiefst menschlichen Gefühle des Individuums sichtbar: die ewige Suche nach Glück, die Sehnsucht nach Zufriedenheit, das Streben nach Erkenntnis.

„Ist ein Gedicht einfach nur ein Gedicht?“ fragt Martin Dragosits in „So What“. Die Antwort auf diese Frage möge sich die Leserin / der Leser nach der Lektüre des vorliegenden Gedichtbandes selbst geben.

ap


etcetera, St. Pölten, 2010 | Bücherschau, Wien, 2008

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