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BÜCHERSCHAU, 2013, WIEN
 

„Dieses Gedicht / ist ein ernst gemeintes / Protestgedicht / mit dem Inhalt / dass Lyrik / in Ghettos gesteckt / verdrängt und ignoriert / in Buchhandlungen / wenn überhaupt / isoliert / aufbewahrt wird // Das Gedicht fordert / Gleichberechtigung / Durchmischung / multikulturelle Identität / dass Lyrikbände / in einer Reihe stehen / mit Prosa / an anderen Werken / gemeinsam / in einem Regal / alphabetisch sortiert“ heißt es im Gedicht „L’Égalité (Aufruf an alle Buchhändler)“ (S. 123) und hier zeigt sich bereits der oftmals pragmatische Ansatz in Martin Dragosits‘ Lyrik. Sein Protestgedicht ist ein durchaus ernstgemeinter Anstoß, der sowohl lösungsorientiert als auch humorvoll ist. Dragosits ist beruflich im IT-Bereich tätig und seine Gedichte haben häufig einen naturwissenschaftlichen, sozialkritischen und manchmal auch selbstironischen Ansatz, so endet das Gedicht „Electric Avenue“ folgendermaßen (S. 46): „… ich bin wie viele andere / im Herzen / unangepasst allein.“ Oder in „Selbstbestimmt“ (S. 112) kommen Zweifel und Skepsis hinzu: „… Meine Zweifel sind lästige / Widerlinge, Saufkumpane mit / Bodensatz, entfernte Verwandte / ohne Anspruch auf Substanz.“ Die Gedichte beschreiben Zustände, stellen Fragen und wollen nicht abhandenkommen, dahinsiechen
und verblassen. Aber die 27 hat Martin Dragosits längst überschritten, so besteht mit seinem nunmehr dritten Gedichtband auch nicht die Gefahr, dass seine Gedichte verschwinden, ganz im Gegenteil, sie sind lebendig und versenden Botschaften: „Wozu viele Worte machen / wenn ein einziges / den Himmel bewegen kann“ („Ohne Worte“, S. 156). Eben.

Rudolf Kraus


 
Rezensionen | Literarisches Österreich, 2013, Wien

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