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BÜCHERSCHAU, WIEN, 2008
 

Der Autor des vorliegenden Gedichtbandes lebt und arbeitet in Wien. Nach einer Schreibpause entstehen innerhalb von vier Jahren mehr als siebenhundert
Gedichte.

Dragosits’ Arbeiten zeichnen sich durch eine eigene, unverwechselbare Sprache und eine sehr persönliche Meinung zur Welt aus. Er verpackt die Dinge des Alltags, teils banal, teils von großerBedeutung in seine eigenen Worte, lutscht sie ein paar Mal durch und bringt sie als geniale Gedichte mit einem kaum entscheidbaren Ton zwischen Anklage und Analyse wieder hervor.

Vieles entnimmt der Autor der Gegenwart, er scheut sich jedoch auch nicht, die Dinge der Vergangenheit und Zukunft für seine Zwecke einzusetzen. Alle Gedichte des vorliegenden Bandes sind kurz und pointiert, ein jedes berührt auf der speziellen Dragosits-Ebene.

Nun eine Kostprobe:
„Schlussstrich // Wahrscheinlich beendete Jesus nach / seinem vermeintlichen Tod / die gescheiterte Karriere als Sektenführer, / ging als Barmixer nach Indien, / verkaufte Fruchtsäfte an reiche, ältere Damen, / heiratete die Witwe eines Großgrundbesitzers, / ritt an lauen Sommerabenden / mit dem Elefanten durch die Gegend, / wurde fett und behäbig, / ein richtiger Buddha eben, / zeugte zwölf Kinder als Pensionsvorsorge / und war froh, / dass seine Jugendtaten in Palästina / ein unbekanntes Kapitel seines Lebens waren. / Ohne Paulus hätte es funktioniert.“

Lassen Sie sich die Dragosits-Welt nicht entgehen, es lohnt sich.

Manuela Kaltenegger, Bücherschau 1/2008



 



& Radieschen, Wien, 2010 | LitGes, St. Pölten, 2009

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