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LITERATURMAGAZIN SCHNIPSEL, BAYERN, 2007
 

Wenn Sie süffisant-witzigen Reflexionen über Gesellschaft, Kultur - Kirche, über Zwerge mit Strapsen und gefärbten Bärten, tote Rockstars und Außerirdische etwas abgewinnen können, finden Sie bei dem Wiener Lyriker Martin Dragosits Gedanken- und Lachfutter satt.
In "Der Teufel hat den Blues verkauft" funkelt feinsinniger Humor, der immer wieder auf der Grenze zum Zynismus balanciert, und der erfrischend subjektive Sprachduktus spiegelt eine 'unverstandene Künstlerseele' in ironischen Selbst- und Alltagsbeobachtungen.
In seinem rhythmisch und semantisch stimmigen Bilderfluss verzichtet er auf das Gängelband des Reims - seine Metaphern sind nicht wolkenabgehoben und nur auf der dritten Assoziationsebene vermutbar, sondern der "konkreten Poesie" angelehnt ohne die billige Effekthascherei der "Pop-Lyrik" zu strapazieren.
Bei einem echten Wiener hat natürlich auch der Schmäh seinen Platz, meistens dann, wenn Dragosits vom lyrischen Ton in die aphoristische Grantelei wechselt und g'schert-selbstbewusst austeilt:
"Aus meinem Grab pinkle ich auf euch/ auf eure dogmatischen Vorurteile."

Dem Feuilleton-Kritikus, der ja gern nach Papperl sucht, schlage ich vor, diese Schreibe "Philosophische Lyrik" oder "Lyrische Philosophie" zu nennen, wenn er denn nur etwas davon versteht.
Auch den versöhnlichen Ton:

"In mir ist Sternenstaub.
Die ganze Welt.
Zum Träumen und Fliegen."

Werner Friebel


LitGes, St. Pölten, 2009 | & Radieschen, Wien, 2008

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