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Anthologien

& RADIESCHEN, WIEN, 2008
 

„Die ganze Welt ist Thema.", so lautet die Anfangszeile von „Operation Stardust", und diese Zeile könnte durchaus das Motto von „Der Teufel hat den Blues verkauft", des ersten Gedichtbandes von Martin Dragosits sein.

Denn die 139 Gedichte dieses Bandes bieten tatsächlich ein breites Spektrum an Welt(an)sichten. Doch nicht nur die Vielfalt seiner Themen - Politik, Wissenschaft, Technik, Philosophie, Wirtschaft, Umweltschutz, Musik, aber auch immer wieder Einblicke in persönliche Lebensumstände und Befindlichkeiten - besticht, Martin Dragosits hat auch für jedes Thema das passende Vokabular zur Hand; teilweise entlehnt er es der Sprache der Managementseminare, der Politiker (oder vielmehr ihrer Berater) oder der Werbetexter, teilweise arbeitet er mit Musik- und Filmzitaten, denn „Sprache macht vieles möglich." (Zeile aus „Crv Baby").

Dabei ist seine Sicht der Welt meist beschreibend, distanziert, um objektive Darstellung bemüht, bemüht aber auch hinter den äußeren Anschein der Wirklichkeit, hinter die platten Phrasen, die er so geschickt instrumentalisiert, zu sehen.

Nicht zufällig ist das markanteste Satzzeichen, das sich durch diesen Band zieht, das Fragezeichen. Mittels dieser Fragen schafft Martin Dragosits es auch, trotz der großen Bandbreite seiner Themen seinem Buch inhaltliche Geschlossenheit zu geben. Einzig für das Motto der beiden Schlusszeilen aus „Operation Stardust: Die ganze Welt. Zum Träumen und Fliegen-", bleibt vielleicht zu wenig Raum.

Dennoch ist zu hoffen, dass für dieses Buch die düstere Prognose „Unsinn erreicht jeden Ort." aus dem Gedicht „Getöse" gleichermaßen gilt, eben weil es weder Unsinn ist noch Getöse, sondern eine scharfsichtige Betrachtung der Welt.



 



Literaturmagazin Schnipsel, Bayern, 2007 | Marburger Forum, Hessen, 2007

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